Persönlich

Turning point Pt 9: Much ado about nothing

Sonnenuntergang

Arschtritt und Klarkommen

2019 ist bislang ein ziemlich intensives Jahr für mich. Die Erkrankung hat mir ganz schön in den Arsch getreten – und das auf allen Ebenen. Da muss man erstmal wieder mit sich selber klarkommen. Und man überdenkt und realisiert einige Dinge. Den Job. Die Lebensweise. Beziehungen. Eigentlich das ganze Leben. Das klingt eigentlich schon wieder viel zu dramatisch. Aber irgendwie ist es das ja auch. Dramatisch. Drama. Much ado about nothing.

Denn wenn man alles mal runterbricht, sind viele Probleme und Entscheidungen ziemlich relativ. Schließlich stirbt in den allermeisten Fällen keiner daran. Zumindest, solange du nur Social-Media-Redakteur bist.

Hier kommt also mein persönliches Drama der letzten sieben Monate.

1. Akt: Ein neuer Job

Neues Jahr, neuer Job, neues Glück. Ich habe eine Stelle als Digital Content Editor in einer PR-Agentur angenommen. Toll, im ersten Moment! Ich bin in einem netten Team gelandet und habe eine unbefristete Stelle. Ein kleiner Jackpot in der heutigen Arbeitswelt. Aber leider bedeutet Agentur auch Stress. Stress, dem ich im Januar körperlich – und irgendwie auch geistig – nicht gewachsen war.

Eine Entscheidung musste her, die Gesundheit ging vor. Also habe ich das getan, was ich eigentlich niemals tun würde: Nach einem Monat gekündigt.

2. Akt: Ein neuer Job

Ich habe mich bei der Polizei beworben und die wollten mich sogar haben. Also habe ich meine sieben Arbeitssachen gepackt und bin damit im März ins Innenministerium gezogen. Öffentlicher Dienst, unbefristet, flexible Arbeitszeiten, viele Möglichkeiten. Kurz: Eine sichere Sache. Spoiler: Hier arbeite ich immer noch!

Die Polizei ist, wenn man da ohne jeglichen Behörden-Hintergrund reinkommt, ganz schön speziell. Noch spezieller ist das Ministerium. Ein ziemlicher Kulturschock im Vergleich zu 1LIVE und der PR-Agentur. Ich schlage mich durch den Behördendschungel und nehme gerne viele der kleinen mit Fett gefüllten Löcher mit. Aber es wird besser und die Stürze weniger.

3. Akt: Eine neue Wohnung

Endlich mal alleine wohnen – ein Gedanke, der mich schon länger in seinen Bann gezogen hat. Nichts gegen meinen (nun ehemaligen) Mitbewohner, der war spitze. Da ging es eher um mich. Und nachdem ich meine mini Quarterlife Crisis überwunden hatte, konnte die Wohnungssuche richtig losgehen.

Ich hatte tatsächlich riesiges Glück: Nach nur drei Besichtigungen habe ich eine Wohnung gefunden. Nach anfänglicher Skepsis gegen den Kölner Norden (die letzten Jahre war ich in der Südstadt zuhause), fühle ich mich hier sehr wohl. Es gibt eine super Anbindung an die Öffis und schnell auf der Autobahn Richtung Arbeit bin ich auch. Der Umzug tat wirklich gut und ist irgendwie ein kleiner Neuanfang in Köln.

Veränderung

Okay. Ich weiß, dass ein klassisches Drama etwas anders aufgebaut ist und fünf Akte statt drei hat. Aber es hat ja auch niemand was von klassisch gesagt und ich finde, das reicht auch erstmal. Das Jahr hat schließlich auch noch vier Monate.

Ich merke, dass ich die Dinge mittlerweile anders betrachte und andere Prioritäten für mich selbst setze. Das heißt für mich Routinen durchbrechen und Veränderung. Nun bedeutet Veränderung auch immer auch immer Anstrengung und Entscheidungen treffen.

Sei es die Wahl zwischen zwei Jobs, die bewusste Entscheidung gegen den einen (guten) Job, weil es für mich persönlich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht geht, oder auch das selber eingestehen, dass das so ist.

Selbsteinsicht

Mal ehrlich: Wer gibt schon gerne zu, dass er überfordert ist? Dieses sich selber Dinge eingestehen ist manchmal ganz förderlich. Und so habe ich zumindest Stück für Stück das Gefühl, wieder etwas mehr zu mir selbst zu finden und das letzte Jahr hinter mir zu lassen.

Und die wichtigste Erkenntnis für mich selbst ist: Das waren alles Entscheidungen, die mir zwar irgendwie schwergefallen sind, auch Konsequenzen hatten, aber an denen keine Existenz gescheitert ist. Much ado about nothing.

Over and out.