Leben

Turning point Pt 7: OP und Staatsexamen

Krankenhaus Dezember 2018

Das ist alles surreal

Ich weiß gar nicht so richtig, was ich schreiben soll. Gedanklich habe ich mich noch nicht so richtig gut sortiert und meine aktuelle Situation wirkt immer noch surreal. Aber dann gibt es wieder Momente, in denen alles wie eine Bombe einschlägt. Dann bin ich verdammt genervt und verärgert über die ganze Sache. Frage mich, was hier eigentlich abgeht und wieso zur Hölle ich schon wieder an diese eierschalengelbe Wand gegenüber starre. Warum da schon wieder ein Schlauch zwischen meinen Rippen steckt und ich gefühlt hundert Tabletten schlucken muss. Verdammt!

Andererseits fällt mir dann wieder ein, dass ich nichts daran ändern kann. Das alles verhältnismäßig gut, ja eigentlich sehr gut gelaufen ist. Immerhin: Um die große OP bin ich galant umhergekommen und es ist nur ein kleiner neuer Schnitt dazugekommen. Ich hatte nur eine Nacht lang Fieber und es geht mir im Vergleich zum letzten Mal gut – zumindest so lange die Schmerzmittel wirken. Davon wieder viel, ich habe schon den Titel für meinen nächsten Artikel: Wie ich nach einem Pleuraempyem in die Tablettensucht rutschte. Ha. Verkaufsgarantie! Den kauft bestimmt irgendein junges Magazin ab!

 

Krankenhaus Dezember 2018

 

Gruß an meine Ärzte

Es sind mittlerweile ein paar Tage seit der OP vergangen. Ich verteidige täglich meinen ZVK am Hals, weil ich keinen Bock auf Blutabnehmen habe. Venen an den Armen und Händen findet man nämlich quasi nicht mehr – vor der OP musste mit Ultraschall danach gesucht werden. Morgen muss der aber leider dann doch raus. Infektionsquelle. Sonst gibt’s Ärger vom Chef. Naja, wird schon.

Das Tolle ist: Ich kenne die ganzen Ärzte hier ja schon und die mich. Alle sind immer noch so nett wie vorher, wenn nicht sogar noch netter, und machen den Aufenthalt hier wieder sehr erträglich. Danke dafür und Gruß an alle mitlesenden Ärzte! Visiten und Besuche von Freunden und Familie sind natürlich nach wie vor die Tageshighlights. Und über zu wenig Besuch kann ich mich wirklich nicht beschweren.

 

Ich bin ein Fall (fürs Staatsexamen)

 

Der Dienstag war übrigens besonders spannend. Ich durfte Teil der praktischen Prüfung eines Staatsexamens werden und habe als Fall hergehalten. Das war einerseits super Ablenkung und Beschäftigung, andererseits habe ich dabei echt viel gelernt, konnte im Kopf sogar einige Fragen selbst beantworten (muss sich ja irgendwie lohnen, krank zu sein) und ich finde es mega, hier irgendwie auch nur ansatzweise helfen zu können. Die Studentin war super nett und hat das, meiner Meinung nach, top gemacht trotz Aufregung. Das ist auch wirklich keine einfache Situation vor vier Prüfern. Und wie verrückt ist das bitte? Wenn sie morgen den zweiten Teil der Prüfung besteht, dann ist sie fertig mit dem Studium und offiziell Ärztin, mit all der Verantwortung. Das muss ein riesen Schritt sein – davor habe ich ernsthaft einen heiden Respekt!

In der ganzen Zeit, in der ich krankgeschrieben war, habe ich mir diverse Krankenhaus-Dokus auf Youtube angesehen und bin immer noch extrem fasziniert. Eine Freundin meinte schon, ob ich bald auch Medizin studieren würde; ich befürchte, dazu mag ich Menschen einfach nicht genug. Zumindest nicht die, die mir unsympathisch sind. Also überlasse ich das lieber den anderen großartigen Menschen, zolle meinen riesen Respekt und hoffe, dass ich in Zukunft ebenfalls so tolle Ärzte haben werde, sofern ich sie denn brauche. Hut ab!

 

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