Leben

Turning point: Die OP Teil 3

Zurück auf die normale Station

Am Donnerstag werde ich wieder auf die Normalstation verlegt. Ich kriege regelmäßig Infusionen mit Antibiotika und Opioiden. Die machen vor allem müde. Die Ärzte lassen sich weiterhin viel blicken, aber vor allem auch meine Eltern und Freunde, die mir zur Seite stehen. Ich bin verdammt dankbar. Abends gibt es Besuch von der Stationsärztin und einem Thoraxchirurgen. Sie verkünden, dass sie gerne eine Bronchoskopie machen wollen – und auf die OP hätte ich auch gute Chancen im Anschluss. Sichtlich unglücklich frage ich, ob man die OP nicht zumindest auch mit Kurznarkose machen kann. Der Thoraxchirurg guckt erstaunt, meint dann nur: Das wird unter Vollnarkose gemacht! Und ich bin einfach nur unfassbar beruhigt.

Freitag folgt die Bronchoskopie unter Kurznarkose. Easy peasy, gerne wieder. Hab die zehn Minuten echt gut geschlafen und bin danach direkt wieder fit. Nur der anschließende Husten nervt sehr. Für montags wird daraufhin die OP angekündigt. Immerhin bin ich als erste dran.

 

Tiefenentspannt vor der OP

Montag früh werde ich um halb 6 geweckt. Ich soll mich fertig machen und eins dieser sexy OP-Hemden anziehen. Dann werde ich abgeholt und zum OP gebracht. Die Anästhesisten fragen mich, wer ich bin und was gemacht wird. Außerdem markiert ein fettes X auf meinem Handrücken die Seite, die operiert werden soll. Der Anästhesist ist erstaunt, wie entspannt ich bin. Thank god Vollnarkose. Ich kriege eine OP-Haube auf, ein bisschen Sauerstoff, dann die Schlafspritze.

Etwa fünf Stunden später wache ich wieder auf. Für zehn Minuten bin ich noch etwas schläfrig, dann aber hellwach. Checke, ob noch alle Zähne da sind. Läuft. Der Oberarzt, der mich operiert hat, kommt vorbei. Sagt, dass es gut war, dass wir die OP gemacht haben und sie sehr viel mehr sauber machen mussten, als sie dachten. Die neue Diagnose: Pleuraempyem. Abstrakt bedeutet das: Eitrige Flüssigkeit zwischen Rippen und Lunge.

Die Schmerzen nach der OP sind etwas mies und die Schwestern verabreichen mir sehr, sehr viel Schmerzmittel. Deshalb muss ich noch eine Weile auf der Aufwachstation bleiben. Weil es hier so schön ist, bekomme ich auch noch Fieber. Erst um 16.30 Uhr bin ich wieder auf meinem Zimmer – und mir geht’s echt dreckig…

Immerhin sind meine Eltern da, die es tatsächlich irgendwie direkt alles besser machen. Ich bekomme fiebersenkende Tabletten und gegen 21 Uhr geht’s mir endlich wieder etwas besser. Die nächsten Tage sind unspektakulär, langweilig. Nur die ständig neuen Zugänge nerven gewaltig – und ich entwickle eine leichte Nadelphobie. Scheiß schlechte Venen. Die Ärzte gehen ein und aus, die Schwestern auch. Aber was wirklich wichtig ist: Alle sind sehr nett zur mir! Ich fühle mich enorm ernstgenommen und auf Augenhöhe behandelt. Außerdem reden die Ärzte Klartext – keine Lügen. Das Ziehen der Drainage wird unangenehm, das haben sie mir ganz klar gesagt. Das macht meine Angst davor zwar nicht besser, aber Ehrlichkeit rules.

 

Der erste Schlauch kommt raus

Freitag ist es dann soweit. Morgens werden noch mal 750ml Spülung durch meinen Körper gejagt, dann steht auf einmal die Ärztin im Zimmer: Wir ziehen jetzt den Zulauf! Mit diesen Worten schießen mir auch schon die Tränen in

die Augen. Nervlich bin ich auf jeden Fall aktuell nicht mehr die Stärkste. Aber die Ärztin ist einfühlsam und verständnisvoll, erklärt alles was sie tut – und erlaubt mir auch zu weinen. Das Ziehen tat wirklich weh. Danach laufen meine Tränen immer noch, gleichzeitig bin ich sehr erleichtert. Gemeinheit: Am Sonntag folgt der gleiche Spaß noch mal. Die Ärztin tut mir jetzt schon leid – ich mir auch.

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