Leben

Turning point: Intensivstation Teil 2

Von schlecht zu gut zu sehr schlecht

Der Montag ist okay. Ich bekomme Antibiotika und Schmerzmittel. Dienstagmorgen denke ich, mir geht es schon viel besser. Sogar duschen ist drin. Danach bin ich platt, lege mich deshalb wieder hin. Eine Ärztin kommt rein und bringt mich zum Ultraschall. Meine Blutwerte sind schlecht – und sie vermuten Flüssigkeit zwischen Lunge und Rippen. Der Verdacht bestätigt sich im Ultraschall, aber ich darf erstmal wieder aufs Zimmer. Ich werde müder, mir geht es schlechter. Ich liege mehr oder weniger ansprechbar im Bett, als eine Ärztin und zwei Schwestern reinkommen. Sie sagen, dass sie mich jetzt auf die Intensivstation verlegen. Die Werte sind zu schlecht, mir gehts es zu schlecht. Mir alles egal. Die Ärzte kontaktieren meine Eltern, die noch im Urlaub in Holland sind. Die machen sich natürlich gleich auf den Weg. [Meine Eltern wären natürlich Sonntag schon zurückgefahren, aber da dachte ich noch, alles cool, bin ja in guten Händen, könnt eh nichts machen.]

Auf der Intensivstation werden neue Zugänge gelegt. Rechts, links, ein Venenkatheter, der auch noch angenäht wird. Das ist mir mittlerweile nicht mehr egal. Ich bin alleine und habe Angst. Was passiert hier gerade mit mir? Ich kriege Sauerstoff, ehe ich erst ins Röntgen, dann ins CT gebracht werde. Das Kontrastmittel tut echt weh.

 

Punktion und Pneumothorax

Zurück im Zimmer sagt mir die Ärztin, dass sie die Flüssigkeitsansammlung punktieren will. Es ist unklar, ob ich eine innere Blutung habe oder es eine andere Flüssigkeit ist. Fakt ist: Meine linke Lunge ist kollabiert. Pneumothorax. Deshalb kriege ich auch so schlecht Luft. Ich unterschreibe, was alles schiefgehen kann bei der Punktion. Dann muss ich mich hinsetzen und die Ärztin sucht via Ultraschall die richtige Stelle zum Zustechen. Sie desinfiziert die Stelle, betäubt sie lokal, dann folgt die Nadel. Schmerzhaft. In der Reflektion der Scheibe gegenüber sehe ich die Gesichter der Ärzte und Schwestern. Sie schauen sehr skeptisch, sagen aber nichts, was mich verunsichert.

Hier ist die Drainage schon drin und mir gehts wieder besser.

Hier ist die Drainage schon drin und mir gehts wieder besser. Grimmig gucken geht wieder.

In der Zwischenzeit atme ich durch eine Maske, die fest auf meinem Gesicht klebt und einen leichten Druck erzeugt. Nach einer weiteren Stunde alleine auf der Intensivstation redet die Ärztin Klartext mit mir. Was sie mit der Spritze rausgezogen hat, war Blut. Aber es könnte auch sein, dass sie ein Organ getroffen hat. Sie sagt, dass man mich gerne verlegen wolle, da sie in diesem Krankenhaus keinen Thoraxchirurgen hätten. Es muss eine Drainage gelegt werden, die die Flüssigkeit neben der Lunge absaugen soll. Sie verschwindet wieder, um mit ihren Kollegen andere Krankenhäuser abzutelefonieren. Plötzlich ist meine Freundin da, sie hat ja nichts mehr von mir gehört, ist deshalb einfach mal losgefahren. Zehn Minuten, bevor die Rettungssanitäter und die Notärztin für den Transport eintreffen, sind auch meine Eltern da. Die vertrauten Personen nehmen mir etwas die Angst, machen die Situation irgendwie erträglich.

 

Erstes Mal im Krankenwagen, yay

Dann geht es los: Ich werde auf die Rettungsliege geschnallt und gewinne eine Krankenwagenfahrt mit Notärztin und drei Sanitätern. Kurze Zeit später landen wir im Uniklinikum. Dort erwarten mich bereits die Ärzte und Pfleger auf der Intensivstation. Für die Drainage liegt schon alles bereit. Dann hält ein Arzt meinen Arm fest, eine Schwester meine Hand, ein anderer Arzt spritzt eine lokale Betäubung zwischen meine Rippen und schnappt sich das Skalpell. Immerhin gibt es direkt positive Nachrichten: Es ist kein Blut! Die erste Entwarnung. Die Flüssigkeit läuft und kurz darauf beginnt auch meine Lunge sich zu entfalten. Alles und alle beruhigen sich etwas. Es ist mittlerweile halb 12 abends. Bis alles geklärt ist und ich endlich einschlafe, ist es 2.

Geht wieder was besser. ;)

Der nächste Tag sieht schon viel besser aus. Ich auch. Die Ärzte sind beruhigt, deuten aber an, dass sie eventuell in einer kleinen OP doch noch in mich reinschauen wollen. Unter lokaler Betäubung. Ich kriege Panik. Aber am Mittwoch passiert erstmal nichts, außer, dass regelmäßig Ärzte und Pfleger vorbeischauen und ich meine Lunge trainieren muss. Dafür kriege ich so ein Ding mit drei Bällen, die ich durch Einatmen an die Decke des Geräts katapultieren soll. Ich schaffe einen. Halb. Wer zur Hölle schafft bitte drei?

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