Leben

Turning point: Im Krankenhaus Teil 1

Prolog

Ich möchte direkt eines vorweg nehmen: Ich war zu keinem Zeitpunkt in Lebensgefahr, auch wenn es einen Tag gab, an dem die Lage zuerst durchaus kritisch beurteilt wurde. Wie auch immer, das Wichtigste für mich ist: Ich werde wieder ganz gesund. Das können längst nicht alle von sich sagen. Daher möchte ich meine Geschichte auch nicht überdramatisieren. Trotzdem waren die letzten 2 1/2 Wochen im Krankenhaus eine Erfahrung, die ich nicht noch mal machen möchte – und durchaus prägend. Es ist krass, wie schnell sich Dinge und damit Prioritäten ändern können. Und ich bin unfassbar dankbar für alle Menschen, die mich in den letzten zwei Wochen besucht und begleitet haben. Danke euch vielmals. Ihr wisst nicht, wie viel mir das bedeutet…

Mit starken Schmerzen ins Krankenhaus

Tja. Jetzt liege ich hier und starre an die Wand. Netflix gefühlt durchgeschaut, lesen – keinen Bock – noch nicht mal Appetit. Die ganzen Süßigkeiten, die meine Freunde und Familie mir immer wieder mitbringen, interessieren mich nicht. Ist die Wand schmutzig weiß oder doch Eierschalengelb? Keine Ahnung. Es ist Tag 12 im Krankenhaus.

Wie so oft in den letzten Tagen stelle ich mir die Frage: Was zur Hölle passiert hier gerade? Warum bin ich hier? Und warum stecken zwei Schläuche zwischen meinen Rippen? Ich hatte doch nie was Ernstes… Samstag war noch fast alles gut. Schulterschmerzen die ganze Woche, ok. Die vom Arzt verschriebene Schmerztherapie schlägt nicht an. Shit. Egal, trotzdem aufs Konzert am Samstag, ist ja schließlich Ablenkung und in die Menge will ich eh nicht.

Sonntag dann das schmerzhafte Erwachen. Liegen geht gar nicht mehr, alles tut weh. Die Schmerzmittel wirken nach wie vor nicht. Mir ist kalt, ein heißes Bad kann ja nicht schaden gegen Muskelverspannung und Kälte. Aber mir wird nicht warm. Auch nicht, als ich danach noch 20 Minuten heiß dusche.

Ich ziehe mich an, weine vor Schmerzen. Mama schreibt: Dann fahr ins Krankenhaus. Ich will nicht, weiß aber, dass ich eigentlich keine Wahl habe. Netflix bringt auch keine Ablenkung von den Schmerzen. Also öffne ich MyTaxi und bestelle ein Taxi ins Krankenhaus. Eine Freundin kommt kurzerhand vorbei. Sie kommt an, als mir gerade an der Anmeldung gesagt wird, dass man auch nichts machen könne, außer mehr Schmerzmittel zu verschreiben. Dazu solle ich zum Ambulanzarzt gegenüber gehen. Die Schwestern am Empfang wirken sichtlich betroffen, weil sie sehen, wie sehr ich leide.

 

Mein Glück, an den richtigen Arzt geraten zu sein

Der Arzt stellt mir die üblichen Fragen, ich erzähle meine Geschichte. Er hört mich ab, fragt, ob ich vor kurzem Husten oder so hatte. Ich bejahe. Letzte Woche hatte ich tatsächlich zwei Abende leichten Husten – aber nichts Erwähnenswertes, dachte ich. Ich werde zurück zur Anmeldung geschickt. Es sollen eine Lungenentzündung und ein Lungenkollaps ausgeschlossen werden. Puh, okay. Wird schon nichts sein, ich habe doch nie was Ernstes…

Wieder an der Anmeldung angekommen, darf ich gleich rein. Die Schwestern sind sofort zur Stelle. Immer noch betroffen, machen den Bürokratiekram fertig. Ich kriege ein Armband, dann misst die Schwester Fieber. 40 Grad. Shit.

Ich werde sofort in einen Raum der Notfallambulanz gebracht, meine Freundin an meiner Seite. Mir wird ein Zugang gelegt, Blut abgenommen, eine Paracetamol-Infusion gegen das Fieber gelegt. Ein Arzt kommt rein. Sein erster Kommentar: Ich glaube, sie gehören nicht hier in die Notfallambulanz. Okay. Wäre auch viel lieber woanders. Er ziert sich ein Röntgenbild meiner Lunge zu machen, ruft einen Chirurgen zur Beratung hinzu. Der renkt mich erst ein, plädiert aber dann doch für das Röntgenbild. Gut so.

Ein riesiger Schatten erstreckt sich über meinen linken Lungenflügel. Die Erstdiagnose lautet: Lungenentzündung und Rippenfellentzündung. Plötzlich nimmt mich auch der Arzt ernst und vermittelt mir, dass ich mindestens eine Nacht bleiben muss. Außerdem bekomme ich jetzt Schmerzmittel, Dipidolor, ein starkes Opioid das gute Zeug. Das sollte helfen. Meine Freundin fährt los, um mir Klamotten zu besorgen.

 

An der Intensivstation vorbeigeschrammt

Fünf Minuten später ringe ich um Luft, komme nicht mehr auf die Schmerzen klar.

Morphium-Face ¯\_(ツ)_/¯

Eine Schwester kommt zufällig rein, ruft sofort den Arzt. Zwei Minuten später stehen vier Ärzte und zwei Schwestern über mir, Dipidolor wird gegen Morphium getauscht, an meinem anderen Arm nimmt eine Schwester Blut ab. Dann werde ich ins CT gebracht. Das Morphium tut endlich seine Wirkung: Die Schmerzen sind nicht weg, aber dumpf und aushaltbar. Ich kann wieder atmen, beruhige mich. Stabil genug, schaffe ich es gerade an der Intensivstation vorbei.

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