Leben

Turning point Pt 6: Auf ein Neues

Die letzten Wochen

Gut sieben Wochen ist mein letzter Blog-Eintrag her. In der Zeit hat sich gar nicht so viel getan: Die meiste Zeit war ich zuhause oder bei meinen Eltern, viel beim Arzt, in der Ambulanz, und ein bisschen bei der Arbeit. Gemeinsam mit meinem Hausarzt habe ich mich für die Wiedereingliederung via Hamburger Modell entschieden. Ich bin mit vier Stunden am Tag gestartet und wollte das Ganze dann langsam steigern.

Die vier Stunden haben soweit ganz gut funktioniert, bis zum 1LIVE Krone-Tag – dem Tag, auf den ich eigentlich die ganze Zeit hingearbeitet habe. Schon seit einer Woche habe ich wieder etwas mehr Schmerzen im Brustbereich, bin mir aber unsicher, ob das nicht an der Wunde liegt. Es ist ziemlich schwer, jetzt nicht zum Hypochonder zu werden. Ein bisschen abgeschlagen war ich auch, Kopfschmerzen, fiebrig habe ich mich gefühlt. Das Thermometer hat aber mit 35-36°C permanent etwas anderes gesagt, also habe ich versucht, das alles als normales mal nicht so wohlfühlen anzusehen.

 

Back to the roo…Krankenhaus

Am Donnerstag, Krone-Tag, musste ich eh zum Hausarzt, um eine neue AU abzuholen. Da lag es auf dem Weg, gleich mal eben die Entzündungswerte checken und mich abhören zu lassen – das würde bestimmt beruhigen. Der Plan ist leider nicht so ganz aufgegangen – in der Praxis hat sich leider rausgestellt, dass ich doch etwas erhöhte Temperatur habe. Und ich habe eigentlich nie(!) Temperatur. Kurzerhand habe ich mich dann doch dafür entschieden, in die Ambulanz der Herz- und Thoraxchirurgie zu fahren.

Ein Taxi später bin ich in dem jetzt schon gut bekannten Gebäude angekommen und laufe zur Anmeldung der Ambulanz. Keine zehn Minuten später darf ich auch schon zum Blutabnehmen und Röntgen. Noch mal eine Weile später werde ich ins Behandlungszimmer gerufen. Mich begrüßt eine Assistenzärztin, die ich schon von den vorherigen Besuchen und von der Station kenne. Wir besprechen die Röntgenbilder. Die zeigen, dass sich die immer noch bestehende Verschattung verdichtet hat, im Vergleich zur Woche davor. Das heißt für mich: Weitere Abklärung im CT. Ich komme auch hier zum Glück wieder relativ fix dran. Danach muss ich leider eine ganze Weile warten, aber ich bin froh, dass ich ohne Termin überhaupt so schnell durch durfte.

 

Bad news, hurra!

Wieder werde ich ins Behandlungszimmer gerufen. Dieses Mal sitzen da „mein“ Oberarzt, die Assistenzärztin, eine weitere Assistenzärztin (oder Studenten, oder Praktikantin) und zwei Schwestern. Ich habe mittlerweile das Gefühl: Je mehr Ärzte und Schwestern im Raum anwesend, desto schlechter die Nachrichten. Vielleicht ist das auch so. Jedenfalls zeigt sich im CT, dass wieder ein Erguss vorhanden ist, der weiterer Abklärung bedarf. Handelt es sich wieder um ein Empyem, muss noch mal operiert werden – aber dieses Mal größer. Der Erguss soll punktiert werden. Ich freue mich sehr – das Prozedere kenne ich schon von vor einigen Wochen und weiß, dass das unangenehm ist.

Ich habe mal wieder unglaubliches Glück mit dem diensthabenden Arzt. Der macht alles ruhig und routiniert und ist dabei einfühlsam und einfach wirklich nett. Leider bringt das aber bei der Punktion an sich doch nicht so viel, weil die funktioniert mit der dünnen Nadel nicht. Das Gewebe ist von der letzten OP zu vernarbt, dadurch auch schmerzhafter als gesundes Gewebe. Die dickere Nadel will der Arzt mir daher netterweise ersparen. Aber wie geht’s weiter?

Der Arzt erklärt mir, dass es die Möglichkeit gibt, die Stelle im CT zu punktieren. Das müsste er aber mit den anderen Ärzten abklären – ich solle auf einen Telefonanruf am Nachmittag oder am nächsten Morgen warten.

 

Das Warten

Spoiler: Ich warte bis zum nächsten Nachmittag. Das nervt etwas, weil ich bis dahin keine Ruhe finde. Mein Handy klingelt natürlich, als ich gerade mit einem Freund beim Kaffeetrinken in der Küche sitze. Ich verschwinde in mein WG-Zimmer und gehe ran. Es ist die Assistenzärztin. Sie erklärt, dass die vorgeschlagene Punktion im CT sehr schmerzhaft wäre und der Erguss im Ultraschall etwas auffällig aussieht. Daher haben sich die Ärzte dazu entschieden, dass ich doch noch mal unters Messer soll. Dieses Mal kann nicht minimal invasiv operiert werden, sondern via Thorakotomie werde ich richtig aufgemacht. Das heißt eben auch: große OP. Wir verabreden uns für Donnerstag, da soll ich stationär aufgenommen werden. Die OP selbst ist Freitag.

Ich bin nicht wirklich überrascht, dass es zur OP kommt. Nicht nach all dem, was in letzter Zeit schon schiefgegangen ist gesundheitlich. Aber ich hoffe vor allem, dass ich danach Ruhe habe und das Thema noch in diesem Jahr abschließen kann. Noch bin ich recht entspannt, hätte aber trotzdem gerne, dass die OP früher stattfindet. Ich hasse warten. Und jeder Tag eher ist ein Tag mehr Zeit zum Heilen, bevor ich meinen neuen Job im Januar anfange. Das war übrigens wenigstens eine hervorragende Nachricht in den letzten zweieinhalb Monaten.

 

Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt

Ich glaube, ich habe noch nicht wirklich realisiert, was gerade passiert. Dass gefühlt alles mehr oder weniger von vorne anfängt. Ich denke, dass kommt erst am Donnerstag, wenn ich Krankenhausbett liege und Zeit zum Nachdenken habe. Insgesamt habe ich aber auch die Hoffnung, dass ich die OP besser wegstecke als die erste. Immerhin geht es mir allgemein nicht so schlecht wie im Oktober. Und dann kann endlich das neue Jahr kommen. Das neue Jahr mit neuem Job und hoffentlich viel Zeit beim Kiten auf dem Wasser.

 

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